Situations- und aktivitätenorientierte Therapie schwerer Aphasien

unter der Berücksichtigung kognitiver Einschränkungen der Betroffenen

Preis
350,00 €
Fachbereiche
Neurologie
Zielgruppen
Logopädie
ReferentInnen
Lehrgangs-Nr.
L26014
Termin
11.09.2026 - 12.09.2026
Kursort
FBZ
Fortbildungspunkte: 14
18 freie Plätze
max. Teilnehmerzahl 20
Anmeldeschluss: 21.08.2026 12:00
Kurszeiten
Fr, 11.09.2026 09:00 - 16:30
Sa, 12.09.2026 09:00 - 14:30

Seminarbeschreibung

Bei der Behandlung von Menschen mit schwerer Aphasie stehen die Therapierenden vor besonderen Herausforderungen, da mit den erheblichen sprachlichen Defiziten der Betroffenen gravierende kognitive Einschränkungen und Wahrnehmungsstörungen verbunden sind. Sie sind in ihrer Handlungsfähigkeit im Alltag und ihrer Teilhabe am Leben in der Gesellschaft sehr stark einschränkt. Das therapeutische Geschehen darf nicht nur auf die Verbesserung elementarer sprachlicher Fähigkeiten abzielen, sondern muss auch auf die Verbesserung kognitiver Einschränkungen und auf die Durchführung ganz elementarer kommunikativer Aktivitäten im Alltag der Betroffenen ausgerichtet sein. Dabei sind bei schweren Störungen kognitive Ressourcen (z. B. rechtshemisphärische Prozesse) auszuschöpfen.
Methodische Grundlage der Fortbildungsveranstaltung ist der aktivitätenorientierte Ansatz der Aphasietherapie, dieser setzt die Aktivitäten- und Teilhabeziele der ICF didaktisch um. Eine Übungssequenz besteht aus situationseingebetteten sprachlichen Funktionsübungen und sich anschließenden kommunikativen Aktivitätenübungen; besonderes Augenmerk gilt der Nutzbarmachung von kognitiven Ressourcen.
Im theoretischen Teil der Fortbildung werden die für ein begründetes therapeutisches Handeln notwendigen neurolinguistischen, –physiologischen, –psychologischen und sprachdidaktisch-methodischen Grundlagen erörtert. Ebenso kommen wissenschaftlich nachgewiesene Wirksamkeitsprinizipien für die Aphasietherapie zur Sprache. Im praktischen Teil lernen die Teilnehmenden ein auf den theoretischen Grundlagen basierendes begründetes Übungsgeschehen kennen und erfahren, welche Übungen für die Therapie schwerer Aphasien mit den jeweiligen sprachlichen und neuropsychologischen Einschränkungen der Betroffenen zur Auswahl stehen und wie das sprachlich Geübte in Aktivitätenübungen überführt werden kann. Im Anschluss daran können die Seminarteilnehmenden in Teamarbeit selbst Didaktisierungen vornehmen. Auch die aktivitätenorientierte Angehörigenarbeit wird thematisiert; es wird erläutert, wie die Angehörigen die Betroffenen in kommunikative Alltagshandlungen einbeziehen können und welche Aktivitäten dazu – auch bei schweren Aphasien – geeignet sind.

Fortbildungsinhalte/Themenschwerpunkte

  • Auseinandersetzung mit den kognitiven Grundlagen der Sprachverarbeitung und deren Störung bei schweren Aphasien
  • Kennenlernen der Möglichkeiten, kognitive Ressourcen in der Therapie schwerer Aphasien zu nutzen
  • Kennenlernen der wissenschaftlich nachgewiesenen Wirksamkeitsprinzipien fürdie Aphasietherapie
  • Kennenlernen des aktivitätenorientierten Therapieansatzes mit einem klar strukturierten Ablaufplan für die Therapie von Aphasien
  • Unterscheidung von situationsorientierten sprachassoziierten Übungen und kommunikativen Aktivitätenübungen
  • Verknüpfung von theoretischem Grundlagenwissen und praxisbezogener Therapieplanung für ein begründetes therapeutisches Handeln
  • Operationalisierung der ICF-orientierten Teilhabe- und Aktivitätenziele
  • Ausführungen zur aktivitätenorientierten Angehörigenarbeit

Literatur

Weng, I. (2022). Die formelhafte Sprache als Ressource für die Therapie schwerer Aphasien. Die Bedeutung rechtshemisphärischer Prozesse für die Aphasieremission. In: Forum Logopädie 36 (2), 14-21.
Weng, I. (2024). Aphasietherapie – Aktivitätenorientierter Ansatz. Theorie und Praxis. Springer, Berlin. https://link.springer.com/book/10.1007/978-3-662-69020-8

Dr. Inge Weng

Nach dem Studium der Slawistik und Germanistik mit Abschluss Promotion an der Universität Tübingen war Frau Dr. Weng erst als DAAD-Lektorin im Ausland tätig, dem folgte das Praktische Jahr "Linguistin im Praktikum“ an den Kliniken Schmieder in Allensbach; von 1994 bis 2020 war sie dort als Klinische Linguistin (BKL) angestellt. Seit 2021 ist sie in Unterricht und Forschung freiberuflich tätig. Bereits seit 1995 arbeitet Frau Dr. Weng als Dozentin in der LogopädInnenaus- und -weiterbildung und seit 1999 als (Co-) Autorin von Therapiematerialien und Fachliteratur zur Aphasietherapie.
ReferentIn
Dr. Ingrid WENG