Kommunikative Aktivitäten im Blick!
Situations- und aktivitätsorientierte Therapie mittelschwerer Aphasien
Lehrgangs-Nr.
L27002
Termin
16.04.2027 - 17.04.2027
Kursort
FBZ
Fortbildungspunkte: 14
20 freie Plätze
max. Teilnehmerzahl 20
Anmeldeschluss: 26.03.2027 12:00
Voraussetzungen
Situations- und aktivitätsorientierte Therapie schwerer Aphasien
Seminarbeschreibung
Für die Aphasietherapie werden zunehmend alltags- und teilhabeorientierte Ziele formuliert. Durch die therapeutische Intervention soll den Betroffenen eine bessere Teilhabe am gesellschaftlichen Leben sowie eine selbstbestimmtere Lebensführung ermöglicht werden, z. B. sollen sie sich in Alltagssituationen besser verständigen können (wenn auch oft auf elementarem Niveau) und imstande sein, bei anstehenden Alltagsentscheidungen mitzuwirken. Dementsprechend sollte das therapeutische Geschehen nicht nur Übungen zum Verstehen und Produzieren sprachlicher Einheiten beinhalten, sondern Sprache sollte im Rahmen von kommunikativen Aktivitäten mit ihren typischen Handlungs- und Entscheidungsmustern und den entsprechenden sprachlichen Mitteln geübt werden, damit die Betroffenen im Alltag wieder als aktiv Handelnde agieren können. So sollten sie lernen, sich Notizen zu machen, zu rechnen und zu bezahlen, Informationen zu vergleichen und Entscheidungen zu treffen – und so auf das komplexe kommunikative Alltagsgeschehen vorbereitet werden.
Diese Zielsetzung verfolgt der aktivitätenorientierte Ansatz für die Aphasietherapie; er liefert die methodische Grundlage für ein situations- und handlungsbezogenes kommunikatives Übungsgeschehen und erfüllt die Anforderung einer Teilhabe- und Aktivitätenorientierung des therapeutischen Handelns gemäß ICF. Die Therapiezyklen bestehen demzufolge aus vorbereitenden situationseingebetteten sprachlichen Funktionsübungen und sich anschließenden handlungsbezogenen Aktivitätenübungen.
Im theoretischen Teil der Fortbildung werden die für ein begründetes therapeutisches Handeln notwendigen neurolinguistischen, –physiologischen, –psychologischen und sprachdidaktisch-methodischen Grundlagen, die der Sprachverarbeitung zugrunde liegen, erörtert. Im praktischen Teil lernen die Teilnehmenden ein auf den theoretischen Grundlagen basierendes begründetes Übungsgeschehen kennen; sie erfahren, welche Übungen speziell für die Therapie mittelschwerer Aphasien mit den verschiedenen sprachlichen und neuropsychologischen Einschränkungen der Betroffenen zur Auswahl stehen und wie das sprachlich Geübte in Aktivitätenübungen überführt werden kann. Im Anschluss daran können die Seminarteilnehmenden in Teamarbeit selbst Didaktisierungen vornehmen.
Fortbildungsinhalte/Themenschwerpunkte
- Vorstellung des situations- und aktivitätenorientierten Ansatzes derAphasietherapie mit klar strukturierten Ablaufplänen für die Therapiemittelschwerer Aphasien
- Unterscheidung von situationsorientierten sprachassoziierten Übungen undkommunikativen Aktivitätenübungen
- Kennenlernen der wissenschaftlich nachgewiesenen Wirksamkeitsprinzipien fürdie Aphasietherapie
- Operationalisierung der ICF-orientierten Teilhabeziele
- Verknüpfung von theoretischem Grundlagenwissen und praxisbezogenerTherapieplanung und -durchführung für ein begründetes therapeutisches Handeln
- Abstimmung des Übungsgeschehens auf die beeinträchtigten sprachlichen undallgemein-kognitiven Prozesse
Literatur
Weng, I. (2024). Aphasietherapie – Aktivitätenorientierter Ansatz. Theorie und Praxis. Springer, Berlin. https://link.springer.com/book/10.1007/978-3-662-69020-8.Weng, I., Storch, G. (2016). Zur Didaktik der teilhabeorientierten Aphasietherapie. Teil 1: Kommunikatives Handeln und kognitive Teilleistungen. Forum Logopädie 30 (6):16- 21.Weng, I., Storch, G. (2017a.) Zur Didaktik der teilhabeorientierten Aphasietherapie. Teil 2: Sprachdidaktische Grundlagen eines situativ-handlungsorientierten Ansatzes. Forum Logopädie 31 (1):36-41.Weng, I., Storch, G. (2017b) Zur Didaktik der teilhabeorientierten Aphasietherapie. Teil 3: Zwei kommentierte Therapieeinheiten. Forum Logopädie 31 (2):22-28.
Dr. Inge Weng
Nach dem Studium der Slawistik und Germanistik mit Abschluss Promotion an der Universität Tübingen war Frau Dr. Weng erst als DAAD-Lektorin im Ausland tätig, dem folgte das Praktische Jahr "Linguistin im Praktikum“ an den Kliniken Schmieder in Allensbach; von 1994 bis 2020 war sie dort als Klinische Linguistin (BKL) angestellt. Seit 2021 ist sie in Unterricht und Forschung freiberuflich tätig. Bereits seit 1995 arbeitet Frau Dr. Weng als Dozentin in der LogopädInnenaus- und -weiterbildung und seit 1999 als (Co-) Autorin von Therapiematerialien und Fachliteratur zur Aphasietherapie.